Bild: Pixabay
Bild: Pixabay

 

Liebe Besucher*innen unserer Homepage,

 

wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die durch Erzählen von Märchen und Sagen das Dunkle und Ängstigende vertreiben können. Wir können aus Geschichten und Liedern lernen und das Schlechte damit vertreiben. Und mehr noch, durch die Geschichten finden wir Verbündete gegen die Dunkelheit und Geschichten nehmen dem Fremden die Schatten des Undeutbaren und Bedrohlichen.

Wollen wir miteinander leben, nicht im oft wahrgenommenen Chaos hoffnungslos versinken, dann brauchen wir Geschichten. Aus ihnen entsteht der Mut zur Zukunft, das Vertrauen in die Anderen, der Aufbruch zu den Abenteuern des Lebens. Nehme ich den Menschen die Geschichten, nehme ich Leben.

 

Die Propheten, deren Geschichten und Lieder sich aus den biblischen Büchern bis heute weitererzählen, waren von der Macht des Erzählten erfüllt. Als Teil eines gedemütigten und versklavten Volkes suchen und finden sie Worte und füllen Sätze mit Farben und Klängen der befreienden Zuversicht. Wer hörend in diese Landschaft des Erzählens eintritt, der erfährt sich als Teil einer Verwandlung, unerreichbar für die vermeintlich Mächtigen, die in grober und böswilliger Manier uns von anderen Mächten erzählen.

Es ist ein Wunder, dass wir die Lebensgeschichten erkennen, bewahren und dass sie ein Teil unseres Guten sind. Sie sind ein Geschenk, tragen sie doch auch die Erinnerung an unsere eigentliche zeitlose Heimat in sich, die Erinnerung an den Paradiesesgarten. Und so erzählt auch der Prophet Jesaia in geradezu kosmischen Visionen in der verzaubernden Melodie vom Einklang der Geschöpfe, von der Erlösung vom Widerstreit.

In der nicht beherrschbaren, aber immer neu spürbaren Kraft des Erzählens liegt auch dann der Mut. 

In diesem Mut brechen wir Menschen auf, werden zu Entdeckern, zu Abenteurern des Lebens. 

Wir wissen alle von dieser Kraft, ahnen zumindest ihre Klänge, von Kindheit an uns vertraut, sehnen uns nach den Erzählern und ihren Geschichten.

  

Der antike Philosoph Augustinus erzählt von dieser Sehnsucht in seinem Lebensbericht. Sie treibt ihn um und quält ihn. In einem Moment des Horchens und Fragens, allein im Garten, glaubt er die Stimme eines Kindes zu hören: Nimm und lies. Bis dahin unbemerkt, sieht er vor sich eine Schriftrolle mir biblischen Text. Für Augustinus wird aus dem Lesen ein neues Leben.

 

Lesen wir, Jesaia und all die vielen anderen biblischen Lebensschenker 

und Mutmacher.

 

Ihr Pfarrer Fey





 

Liebe Besucher*innen unserer Homepage,

 

wir haben unterhalb mehrere Verweise zu aktuellen Diskussionssituationen in unserer Kirche platziert. Seelsorger:innen, Mitarbeiter:innen und unseren Gremien ist es wichtig, dass wir eine Gesprächskultur entwickeln, die uns in geschwisterlicher Offenheit im Sinne des Glaubens Wege zeigen kann, wie wir heute Christ sein können. Als Pfarrer ist mir dabei das Heute wichtig. So verführerisch der Blick in die Zukunft ist und uns Skandale sowie Versagen in die Vergangenheit und ihre Aufarbeitung lenken, muss es uns um die konkrete Glaubens- und Lebenssituation heute gehen.

 

In den Evangelien löst das Wort „heute“ im Mund des Jesus von Nazareth Widerspruch, Lärm und Wut aus. Jesus geht es um sein konkretes Gegenüber und um Verletzungen, Unheil und Fragen der Menschen, die ihm konkret gegenüberstehen. Der Blick auf das „Heute“ ist damit der Blick auf das, was jetzt notwendig ist.

„Es war einmal“ so beginnen Märchen. „Es wird kommen“ ist unsichere Zukunftsprophetie. Im Gebetbuch des Alten Testamentes findet sich die Aufforderung: „Heute, wenn ihr seine Stimme (Gottesstimme) hört – verhärtet euer Herz nicht.“ (Psalm 95). 

 

Um die Offenheit für das Heute sollte es uns gehen und dazu laden wir ein. In den nächsten Wochen werden wir diese Einladung konkretisieren. Bis dahin sollten wir auf Psalm 95 hören, der treffend über zweieinhalbtausend Jahre hinweg dazu auffordert: „Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! Verhärtet euer Herz nicht.“

 

Ihr Pfarrer Fey