Fastenpredigtreihe von Pfarrer Hinzen zum Download


Oremus pro invicem!“ – Beten wir füreinander!

Hinweise zum Gebet während der Corona-Pandemie 

Dass wir angesichts der Ausbreitung des Corona-Virus keine öffentlichen Gottesdienste mehr feiern können, trifft uns besonders hart. Dabei handelt es sich nicht um eine speziell kirchliche Entscheidung, sondern als Christen sind wir auch Mitglieder der Gesellschaft, die von den notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ebenso wie alle anderen betroffen sind. Doch auch wenn das gemeinschaftliche Gebet im Gottesdienst eine Zeitlang ruhen muss, heißt das nicht, dass wir das Beten einstellen müssten. Im Gegenteil! Daher dürfen wir Ihnen ein paar Anregungen geben, wie wir im Gebet mit Gott und somit auch untereinander verbunden bleiben können. Mehr noch: Wir kommen damit auch unserer diakonischen Verantwortung nach, Menschen in Not im Blick zu behalten und für sie vor Gott einzustehen.

 

Hilft mein Gebet?

Beten hilft! Das heißt nicht, dass man naiv glaubt, man könnte mit seinem Gebet den Virus stoppen und auf die hygienischen Maßnahmen verzichten. Aber wir als Christen sind aufgerufen, die Anliegen, Sorgen, Nöte und Ängste der Menschen vor Gott zu bringen. Das ist menschlich gesehen ein Akt der Solidarität, aber mehr noch: Auf diese Weise leben wir Christen unsere Taufe. Denn in der Taufe sind wir so eng mit Christus verbunden worden, dass wir Anteil an seinem Priestertum haben. Es ist aber eine wahrhaft priesterliche Aufgabe, die Welt vor Gott zu bringen. Und insofern dies im Gebet für andere geschieht, leben gerade dadurch die Gläubigen das gemeinsame Priestertum aller Getauften.

Im Anhang finden Sie einige Gebetsvorschläge. Im Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ entdecken Sie weitere Gebetstexte. Hier finden Sie auch sehr viele Psalmen aus der Bibel – Texte mit denen schon in alttestamentlicher Zeit gebetet wurde, Texte mit denen Jesus selbst gebetet hat, Texte mit denen die Christen seit 2.000 Jahren beten. In besonderer Weise haben sich Klöster das Psalmengebet zueigen gemacht. Wenn es Ihnen eine Hilfe ist, können Sie über das Internet das Psalmengebet von klösterlichen Gemeinschaft aufrufen, um getragen von diesen Betern selbst ins Gebet zu kommen (z.B. 
https://erzabtei.de/live). Wenn Sie die Psalmen in der Weise beten wollen, wie sie in der sogenannten Tagzeitenliturgie von der Kirche gebetet werden, dann geht das mit den heutigen technischen Möglichkeiten leicht: Laden Sie sich die offizielle Stundenbuch-App (https://www.stundengebet.de/) herunter.

Darüber gibt es ganze Online-Gebetsgemeinschaften. Die bekannteste und mitgliederstärkste findet sich täglich auf Twitter zusammen, um um 7 Uhr die sogenannte Twaudes (von „Twitter“ und „Laudes“) und um 21 Uhr die Twomplet (von „Twitter“ und „Komplet“) zu beten. Unter #twaudes und #twomplet wird via Twitter gemeinsam gebetet und werden Fürbitten getwittert.

Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Daher, wenn sie beten, beten sie nach Möglichkeit nicht nur allein, sondern mit anderen – sofern es angesichts der Ansteckungsgefahr Menschen sind, mit denen Sie ohnehin Umgang haben. So können Sie sogar in der Familie einen kleinen Hausgottesdienst feiern.


GEBET 1

 

Jesus,
unser Gott und Heiland,
in einer Zeit der Belastung und der Unsicherheit für die ganze Welt 
kommen wir zu Dir und bitten Dich: 

 

  • für die Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert wurden und erkrankt sind;

  • für diejenigen, die verunsichert sind und Angst haben;

  • für alle, die im Gesundheitswesen tätig sind und sich mit großem Einsatz um die Kranken kümmern;

  • für die politisch Verantwortlichen in unserem Land und international, die Tag um Tag schwierige Entscheidungen für das Gemeinwohl treffen müssen;

  • für diejenigen, die Verantwortung für Handel und Wirtschaft tragen;

  • für diejenigen, die um ihre berufliche und wirtschaftliche Existenz bangen;

  • für die Menschen, die Angst haben, nun vergessen zu werden;

  • für uns alle, die wir mit einer solchen Situation noch nie konfrontiert

     

Herr, steh uns bei mit Deiner Macht,
hilf uns, dass Verstand und Herz sich nicht voneinander trennen.
Stärke unter uns den Geist des gegenseitigen Respekts, der Solidarität und der Sorge füreinander. Hilf, dass wir uns innerlich nicht voneinander entfernen.
Stärke in allen die Fantasie, um Wege zu finden, wie wir miteinander in Kontakt bleiben. 

Wenn auch unsere Möglichkeiten eingeschränkt sind,
um uns in der konkreten Begegnung als betende Gemeinschaft zu erfahren,
so stärke in uns die Gewissheit, dass wir im Gebet durch Dich miteinander verbunden sind. 

Wir stehen in der Fastenzeit.
In diesem Jahr werden uns Verzichte auferlegt,
die wir uns nicht freiwillig vorgenommen haben und
die unsere Lebensgewohnheiten schmerzlich unterbrechen. 

Gott, unser Herr, wir bitten Dich:
Gib, dass auch diese Fastenzeit uns die Gnade schenkt, 
unseren Glauben zu vertiefen und unser christliches Zeugnis zu erneuern,
indem wir die Widrigkeiten und Herausforderungen, die uns begegnen, annehmen
und uns mit allen Menschen verstehen als Kinder unseres gemeinsamen Vaters im Himmel. 
Sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.

Es können ein 
Vater unser und ein Gegrüßet seist du, Maria angefügt werden. 

Gebet von Bischof Dr. Stephan Ackermann
Bistum Trier


GEBET 2

 

Beten wir für alle Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind,
für alle, die Angst haben vor einer Infektion,
für alle, die sich nicht frei bewegen können,
für die Ärztinnen und Pfleger, die sich um die Kranken kümmern,
für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmittel suchen,
dass Gott unserer Welt in dieser Krise seinen Segen erhalte.

(Stilles Gebet)

Allmächtiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke,
viele Generationen vor uns haben dich als mächtig erfahren,
als Helfer in allen Nöten.
Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind, 
und stärke in uns den Glauben, dass du dich um jede und jeden von uns sorgst.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

© Martin Conrad, Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz


GEBET 3

 

Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung. 
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Bitte tröste jene, die jetzt trauern. 
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie.
Allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft in dieser extremen Belastung.
Den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.
Wir beten für alle, die in Panik sind. Alle, die von Angst überwältigt sind. 
Um Frieden inmitten des Sturms, um klare Sicht. 
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen, niemanden umarmen können. Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit. 
Und ja, wir beten, dass diese Epidemie abschwillt, dass die Zahlen zurückgehen, dass Normalität wieder einkehren kann.

Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit.
Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist.
Dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können.
Dass Du allein ewig bist.
Dass im Leben so vieles unwichtig ist, was oft so laut daherkommt.
Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.
Wir vertrauen Dir. 

Danke

Verfasser: Johannes Hartl